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Kategorie: Musical

Hinter den Kulissen des Udo-Musicals

 

 

B.Z. war unterwegs mit Josephin Busch, der Hauptdarstellerin des Erfolgsmusicals von Udo Lindenberg .

Mit der S-Bahn aus Pankow zum Theater am Potsdamer Platz, durch den Bühneneingang, ein Lächeln für den Pförtner, dann rein ins Theater. Mehr als 200-mal hat Josephin Busch (24) seit Jahresbeginn diesen Weg genommen.

Josephin Busch (24) in der Black Box hinter der Bühne. Das Hemd wirkt eng, passt aber! In 10 Minuten startet die Show. Foto: BZ

Seit dem 13. Januar spielt die Pankowerin in dem Musical „Hinterm Horizont“ das Mädchen aus Ost-Berlin. Acht Shows absolviert Josie in der Woche. Mehr als 200.000 Zuschauer sahen sie bisher in der Show. Ein Riesenerfolg! Für sie, Serkan Kaya (33), der Udo Lindenberg darstellt, und natürlich für den Altmeister selbst, der die Musik zum Musical lieferte.

Einen Tag lang durfte B.Z. Josephin begleiten. Treffpunkt: 17 Uhr, Bühneneingang. Jetzt, zwei Stunden vor Showbeginn, ist sie bereits im Theater. Noch ist es dunkel hinter der Bühne, Udo-Perücken liegen in einer Ecke, Stasi-Uniformen in einer anderen. Sieben Techniker bereiten die Bühne vor, checken die Hydraulik des riesigen Udo-Huts, drei Tonnen schwer. Ein Stahlseil wird abgerollt. An ihm wird später Josies Rollenbruder in 17 Metern Höhe über den Zuschauerraum schweben.

Zuerst geht es aber in die Kantine. Josie schlendert vorbei an Eiern, Salaten und Schokoriegeln. Sie schnappt sich ein Wasser und setzt sich zu ihrem Kollegen Serkan an einen Tisch. „Er ist auf der Bühne mein lebender Talisman“, erzählt Josie. „Abends sitzen wir hier oft und beten das Bild von Udo an.“

Alle vergöttern ihn hier. Der Musiker lud das Team dafür in seine Ausstellung auf Schloss Neuhardenberg ein. Für die gebürtige Ost-Berlinerin Josephin hat Lindenberg seit „Sonderzug nach Pankow“ Heldenstatus.

Ein Lautsprecher knackt, Josie muss zum Einsingen in den Spiegelsaal. Zwei Kollegen dehnen ihre Beine zum Spagat. Der Pianist hämmert in die Tasten. „Brrr-mmm“ schmettert das Ensemble. Josie fixiert die Wand, atmet konzentriert.

Dann in die Maske. Noch eine Stunde, bis es losgeht. Haarnadeln und Puderquasten liegen durcheinander, überall Haarteile, aufgereiht auf Metallständern. Zehn Maskenbildnerinnen kümmern sich um die Darsteller, Sabrina und Linda drehen Josies braunes Haar zu Schnecken, die sie unter einem Haarnetz verstecken. Nur zwölf Nadeln brauchen die beiden – aber die piksen in die Kopfhaut schon genug. Dann passen sie die blonde Lockenperücke an.

Noch 30 Minuten. Letzte Station ist die Black Box, die Umkleide hinter der Bühne. In Bademantel und Blümchenpuschen huscht Josie dorthin. Während der Show bleiben oft nur Sekunden zum Umziehen. Fünfmal muss sie die Kostüme wechseln. Sie stopft ihr Hemd in den Rocksaum, schüttelt die Pantoffeln ab. Man hört die Zuschauer schon im Saal raunen. „Noch zehn!“, ruft der Inspizient. Josie dehnt sich, wirkt angespannt.

Es ist 19 Uhr. Vorhang auf! Serkan alias Udo singt den ersten Song. 19.18 Uhr. Ein DDR-Zimmer, das Mädchen aus Ost-Berlin steht auf der Bühne. 1.800 Zuschauer sitzen im Saal, Scheinwerfer strahlen Josie an. Jetzt!

Quelle: BZ, 16.07.11