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Kategorie: Musikpreis

Frankfurter Musikpreis 2004

Panik im Kaisersaal

Udo Lindenberg erhält den Frankfurter Musikpreis

"Panikpräsident" Udo Lindenberg ist am Dienstag - einen Tag vor Beginn der Internationalen Musikmesse - mit dem Frankfurter Musikpreis ausgezeichnet worden. Geehrt wurde er damit für seine Verdienste in Musik und Gesellschaft. Der Deutsch-Rock-Pionier war zu seinem 30-jährigen Bühnenjubiläum zuletzt in Deutschland und in China auf Tour.

Nach zehn Jubiläumsauftritten in deutschen Städten gab er mit seinem Rock-Musical "Atlantic-Affairs" auch drei Gastspiele in China. Mit Erfolg: Zu seiner Show in der Hafen-Metropole Schanghai waren immerhin mehr als 1000 Besucher gekommen. Mit im Repertoire: "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt", die aufgepeppte Neufassung des Marlene-Dietrich-Klassikers.
 
 
Brücke zwischen Ost und West
Präsentiert werden in der Show aber auch Werke von Künstlern wie Bertolt Brecht und Friedrich Hollaender, die vor den Nazis ins Exil flohen - von Udo und einigen bekannten Kollegen neu interpretiert und an die heutige Zeit angepasst. "Ich will mit 'Atlantic Affairs' eine Brücke zwischen Deutschland und China bauen", sagt Lindenberg über seine Auftritte in der Volksrepublik. Weitere internationale Gastspiele sollen folgen.

Im Brückenbauen ist sich Lindenberg also treu geblieben. Dass der Alt-Rocker den Preis bekommt, hat deshalb sehr viel mit seinem politischen und gesellschaftlichen Engagement zu tun. Und mit seinem Beitrag zur deutsch-deutschen Verständigung: In den achtziger Jahren spielte er auf Konzerten der Friedensbewegung, trat in Ost-Berlin und in der Sowjetunion auf. 2000 beteiligte er sich an der Aktion "Rock gegen rechte Gewalt", die Geld für Projekte wie die Nazi-Aussteiger-Initiative "Exit" sammelte.

"Deutsche Sprache erschlossen"
Daneben hat sich der allzeit lässige Sänger um die deutsche Musiklandschaft verdient gemacht - sagt etwa sein früherer Tournee-Veranstalter Fritz Rau (Bild 2 u. 5). "Die wichtigste Leistung von Udo Lindenberg ist, dass er die deutsche Sprache für die Rockmusik erschlossen hat. Davor galt auch für mich: Rock'n'Roll ist englisch und auf deutsch nicht singbar", so Rau zu heute.online.

Musik und Engagement sind also die Gründe, warum Lindenberg jetzt den Frankfurter Musikpreis bekommt, der jedes Jahr im Vorfeld der Internationalen Musikmesse in der Bankenstadt verliehen wird. Auch diesmal wird Oberbürgermeisterin Claudia Roth den mit 15.000 Euro dotierten Preis im Kaisersaal des Frankfurter Römers übergeben. "Ich freue mich riesig, dass der Udo das bekommt, keiner hat es mehr verdient", sagt Rau, der bei der Verleihung die Laudatio hält.

Postanschrift: Hotel Atlantic
Der am 17. Mai 1946 im westfälischen Gronau geborene Lindenberg spielte in mehreren Bands, bevor er 1971 sein erstes, noch englischsprachiges Soloalbum "Lindenberg" herausbrachte. Der Durchbruch kam zwei Jahre später mit "Alles klar auf der Andrea Doria". Es folgten zahlreiche weitere Alben, mit seinem Panikorchester tourte er durch die Republik.

Die anfangs noch gewöhnlichen Konzerte mutierten später zu gigantischen Bühnenshows: Bei seiner aufwändigen Rock-Revue "Dröhnland-Symphonie" von 1978 dirigierte der Theater-Regisseur Peter Zadek eine ganze Freakshow. Zurzeit residiert der "Nomade" Lindenberg als Dauergast im Hamburger Hotel Atlantic.