Blue Flower

Die Musik hat Marla Glen gerettet

Essen. Marla Glen spricht über schwere Zeiten, den Mord an ihrer Mutter, und ihr neues Album „Humanology“, mit dem sie zurück ins Rampenlicht möchte. Dafür hat sie unter anderem mit Xavier Naidoo gearbeitet.

 

 

 

 

 

Sie klinge, als habe sie gerade das gesamte Lager einer Zigarettenfabrik leergepafft, frotzelte ein Kritiker über Marla Glens Stimme. Die androgyne Amerikanerin im Nadelstreifen-Dreiteiler lebt seit vielen Jahren in Deutschland und spricht mit ihrem schwarzen Soul und Blues auch ein breites Pop-Publikum an. Einmal mehr hat „The Glen“ ihr Leben neu geordnet. Herausgekommen ist das Comeback-Album „Humanology“. Olaf Neumann sprach mit der Sängerin über Lebenskrisen, Nina Simone und den Mord an ihrer Mutter.

 

Ihr neues Album heißt „Humanology“. Darunter versteht man die Lehre vom Menschen. Ist Marla Glen eine singende Humanistin?

 

Marla Glen: Ich lasse einfach meinen gesunden Menschenverstand sprechen. Wir leben in einem System, dem es an Menschlichkeit mangelt. Die schrecklichen Dinge, die gerade auf der Welt passieren, wurden schon in der Bibel prophezeit. Ich glaube definitiv an einen großen Plan.

 

Auf dem Album singen Sie von schweren Zeiten. Was ist passiert?

 

Es würde zu weh tun, darüber zu sprechen, was mir in den letzten fünf Jahren alles widerfahren ist. Die Musik hat mich gerettet. Ich habe früher mal bei McDonald’s gearbeitet, wenn es mit der Musik gar nicht mehr läuft, kann ich ja immer noch dahin zurück.

 

„White Roses For My Mother“ ist Ihrer Mutter gewidmet. Sie war in den 60ern Rennfahrerin und Porträtmalerin. Hingen Sie sehr an ihr?

 

Meine Mutter wurde ermordet, und zwar von ihrem zweiten Ehemann. Bei ihrem Begräbnis konnte ich nicht weinen. Ich bat Gott darum, ihre Seele zu retten. Denn wir sind alle Sünder.

 

Was war die Inspiration zu dem Song „I See Blood“?

Diesen Song habe ich Nina Simone zu verdanken. Sie hat mich ermutigt, selbst zu schreiben. An „I See Blood“ habe ich sieben Jahre lang gefeilt. Ich habe für Nina Simone als Housesitter gearbeitet. Ich fuhr sie im Bentley zum Shoppen. Aus meiner Zeit bei einem Wachdienst hatte ich noch diese Uniform. Nina wollte, dass ich sie in ihrem Haus trage, damit die Leute denken, ich sei Polizistin. Ich habe mich auch um ihre Garderobe gekümmert. Nina warf mich morgens immer aus dem Bett, damit ich Gitarre übe. Das war grausam, aber ich habe unter ihr viel gelernt. Sie haben eine neue Fassung Ihres Hits „Believer“ aufgenommen – mit Xavier Naidoo. Ist es die Religion, die Sie miteinander verbindet?

Ich bin nicht religiös, aber ich bin sehr gläubig. Xavier und ich haben dieselbe Botschaft: Hoffnung und Glaube. Er hat für unser Duett ein paar neue Zeilen geschrieben, die ich dann ins Englische übersetzt habe.

Was macht Ihr Plan, eine deutsche Platte mit Liedern von Udo Lindenberg aufzunehmen?

Ich muss darüber erst mit Onkel Udo sprechen. Mein Traum ist, ein deutsches Duett mit Xavier zu singen und eines mit Udo. Mein Part sollte nicht allzu schwer sein, vielleicht „Ja, ja, ja“ oder „ha, sag a mol“. (lacht)

Im Song „Daddy“ beschäftigen Sie sich mit der Geschlechterrolle. Wie sehen Sie sich selbst?

Ich bin Daddy Glen! Ich habe genug davon, dass man mir auf die Unterwäsche guckt, um herauskriegen, was ich bin. Deshalb soll man mich einfach Daddy nennen.

2004 heirateten Sie in Heilbronn Sabrina Conley. Es war eine der ersten gleichgeschlechtlichen Ehen in Deutschland. Inzwischen sind Sie geschieden. Würden Sie wieder heiraten?

Natürlich. Ich habe eine neue Liebe. Wegen ihr werde jetzt nach Berlin ziehen: Neue Freundin, neues Album, neue Wohnung, neues Leben. Ich fühle mich großartig.

  • Marla Glen „Humanology“ (o-tone-music/ZYX) erscheint am 6. Mai. Live: 17. Juni in Dortmund, Strobels Open Air

Quelle: Der Westen, 01.05.11