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Udo erhält eine Erinnerung an Suhl

Als Udo Lindenberg jüngst in Kassel der Jacob-Grimm Sprachpreis überreicht wurde, bekam er auch ein Foto zur Erinnerung an einen denkwürdigen Auftritt 1990 in Suhl geschenkt.

Suhl/Kassel - Die Vergangenheit holt auch Rockmusiker gelegentlich ein. Wenn sich allerdings positive Erinnerungen damit verbinden, umso besser. Udo Lindenberg staunte jedenfalls nicht schlecht, als er in Kassel den diesjährigen Sprachpreis überreicht bekam und ihm anschließend der Geschäftsführer des Kongress Palais und der Kassel Marketing GmbH, Knut Seidel, neben einer Kassel-Jacke auch noch ein historisches Foto nebst Text in die Hand drückte. Das zeigt den Sänger am 6. Januar 

Hier begann damals Udo Lindenbergs erste spektakuläre Tournee durch die DDR, nach der der Künstler sich immer so lange gesehnt hatte.

Knut Seidel, ein Schleusinger, war zu jener Zeit zusammen mit Brigitte Schulze verantwortlich für die Galerie am Herrenteich, die sich in einem Anbau der Stadthalle befand. Damals hatte Seidel auch mit Udo Lindenberg zu tun und war begeistert, ihn kennenzulernen und in einem Konzert erleben zu dürfen. Seidel ging Ende der neunziger Jahre nach Kassel und machte dort Karriere. Aus alter Verbundenheit mit Suhl und in Erinnerung an dieses unvergessliche Erlebnis mit Udo ließ er uns gestern ein Foto von der Auszeichungsveranstaltung in Kassel zukommen.

Brand in der Halle

Der Suhler Dieter Spieker, zu jener Zeit Direktor der Stadthalle, kann sich ebenfalls noch sehr gut entsinnen. Auch an den Stress des Kartenvorverkaufs, den er in den damaligen Ausstellungshallen (heute abgebrannt) organisiert hatte. Damals brachten Massen von Jugendlichen mit Isomatten und Schlafsäcken die eiskalte Nacht vor den Hallen zu, um unbedingt eine Karte zu ergattern. "Udo war mit seiner Sprache, seinem Auftreten, seinem Hut und seiner Brille ein absoluter Exot für mich, aber er war sehr freundlich und sehr kommunikativ", erinnert sich der einstige Hallenmanager, der damals im Hotel Thüringen logierte.

Er hat auch das noch zweite Konzert Udo Lindenbergs in Suhl im Gedächtnis, das ein Jahr später stattfand. Doch zur großen Enttäuschung seiner Fans musste es abgebrochen werden, weil sich ein Schwelbrand im Fußboden der Halle ausgebreitet hatte und die Feuerwehr anrücken musste. Der Künstler, so Spieker, habe damals generös eine Wiederholung versprochen, doch das hätte mit dem damaligen namhaften Konzertagenten Fritz Rau großen Stress verursacht. Wiederholt worden sei es dann trotzdem.

Ende der neunziger Jahre kam Udo Lindenberg dann noch einmal nachSuhl. Damals war aus der umgebauten "Stadthalle der Freundschaft" dann schon das Congress Centrum Suhl geworden. Der Rocker präsentierte sich damals gemeinsam mit dem Filmorchester Babelsberg von einer ganz anderen Seite. Seither war er nicht wieder in Suhl, obwohl man ihn hier doch gerne zum diesjährigen Provinzschrei erlebt hätte. Aber immerhin gab es eine Ausstellung seiner originellen Likörelle in der Rhön-Rennsteig-Sparkasse.

Geschossen hat jenes historische Udo-Bild vom 6. Januar 1990 unser langjähriger Fotograf Karl-Heinz Frank. Fan von ihm sei er eigentlich erst geworden, als es nach der Wende möglich war, mehr von seinen Liedern zu hören. Er erinnert sich noch, dass er damals sehr nervös gewesen sei. "Aber erst viel später ist mir eigentlich bewusst geworden, wen ich da fotografiert hatte."

Quelle: Freies Wort, 03.11.10