Blue Flower

Fast-Bundeskanzler Udo

37 51 18. Eine (alte) Wiener Telefonnummer? Ja. Aber eine ganz besondere. Hier eine Geschichte aus gegebenem Anlass. Es war Anfang der achtziger Jahre. Good old Udo Lindenberg beehrte Wien. Er hatte die Panik auf der Titanic überstanden und den Sonderzug nach Pankow in Bewegung gesetzt. Letzteres eine durchaus politische Tat, die Botschaft war auch beim DDR-Staatschef Erich „Honni“ Honnecker angekommen. Und Lindenberg hatte nicht nur das deutsche Bundesverdienstkreuz auf St. Pauli im „Gulli“ verschwinden, sondern auch den deutschen Bundeskanzler Helmut Schmidt wissen lassen, er wolle dessen politische Nachfolge antreten.

Schnitt zum Wien-Besuch: „Udo, wolltest du nicht Bundeskanzler werden?“ – „Ja. Klar.“ – „Dann könntest du dir doch gleich gute Tipps für das Amt holen?“ – „Wie meinst du das?“ – „Na ja, hier in der Armbrustergasse liegt nicht nur der Heurige Zimmermann. Ein paar Häuser weiter wohnt unser Bundeskanzler Bruno Kreisky.“ – „???“ – „Willst du ihn nicht anrufen und dir ein paar gute Tipps holen?“ – „Verarsch’ einen anderen.“– „Überhaupt nicht. Komm, hier ist eine Telefonzelle. Jeder Bürger darf ihn jederzeit anrufen.“ – „Nicht wahr. So was gibt es nicht.“ – „Doch wahr, komm, ich wähle für dich.“

Gesagt wie getan. 37 51 18. Am anderen Ende wird abgehoben: „Kreisky …“ – „Verzeihen Sie, Herr Bundeskanzler. Aber neben mir steht Udo Lindenberg. Wie Sie vielleicht gelesen oder gehört haben, will er deutscher Kanzler werden. Darf er sich bei Ihnen einige Tipps holen.“ – Kreisky: „Na gut, geben S’ ihn mir.“ – Der Hörer weiter an Udo, der ein paar Minuten mit Kreisky telefoniert.

Als das Gespräch zu Ende ist: Aufbruch über die Straße zum Heurigen. Udo sprach den ganzen Abend über nicht mehr viel. Er war, auf Wienerisch: schmähstad. Nebenbei: 1982 endete in Deutschland die Kanzlerschaft von Helmut Schmidt. Sein Nachfolger wurde (leider?) nicht Udo Lindenberg, sondern Helmut Kohl.

Quelle: OÖN, 05.02.11