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Udo Lindenberg weiß: Für einige ging es aus der Stasi direkt in die Bunte Republik Deutschland

Mit Udo Lindenberg sprach am Rande der Premiere Karim Saab.

MAZ: Was sagt Jessy, Ihre Geliebte, zu dem Hype heute?

Udo Lindenberg: Jessy fürchtet den Medienrummel, sie kommt erst in den nächsten Tagen vorbei, aber inkognito. Sie ist das Mediengedöns nicht gewöhnt. Das war eher ein stilles Leben, das sie in der DDR arrangiert hatte. Das alles hier ist für sie too much. Sie lebt jetzt in der Nähe von Berlin und manchmal auch im Ausland.

Und bringt sie einen Sohn mit, den Sie gezeugt haben?

Lindenberg: Es wäre schade, wenn es ihn nicht gäbe. Ich kann da nicht viel drüber erzählen. Wir erinnern uns doch auch an das Lindbergh-Baby, die Entführung. So viel Lösegeld habe ich gar nicht in der Tasche. Aber der Lindenzwerg steht sehr auf Jan Delay. Und er kommt auch inkognito ins Theater. Später mal geben wir das alles bekannt.

Wo leben Sie zur Zeit?

Lindenberg: Nirgendwo so richtig. Ich bin ein Hotelindianer. Zurzeit nicht im Atlantic in Hamburg, denn das wird gerade umgebaut. Ich bin nicht der, der sich einrichtet in einer Villa hinter bourgeoisen Mauern, der sich isoliert. Hotels haben den Vorteil, du triffst viele Leute unten an der Bar und kannst über alles schnacken. Wenn du Ruhe haben willst, gehst du hoch in deine Suite. Und es gibt da auch viele Atelierräume für meine Malerei. Und prima Personal, guten Service. Die sind dann auch meine Freunde, wie Family.

Sind Sie heute noch so politisch wie damals?

Lindenberg: Wir Deutschen haben einen friedenspolitischen Auftrag, der bleibt. Da sehe ich mich als Verwandter von Obama! Das muss hier die Bunte Republik Deutschland sein. Das Stück fragt ja, wo kommen wir her, wo gehen wir hin? Für manche ging es aus der Stasi direkt in die Bunte Republik.

Welche Rockmusiker aus dem Osten schätzen Sie?

Lindenberg: Ich mag Silly sehr gern, die kommen auch zur Premiere, Anna Loos ist eine geile Sängerin. Damals gab’s die Zöllner, die Renft-Combo, das habe ich natürlich alles gehört. Auch Karat, die Puhdys und Mona Lisa. Später durfte ich dann aber nicht mehr in die DDR. Wolf Biermann, der auch in Hamburg lebt, hat mir einiges erzählt. Seit dem Mauerfall kann ich viele Bands kennenlernen. Silbermond oder Rammstein haben ein großes Potenzial. Und können endlich auch texten, was sie wollen. Da kommt keine dusslige Kommission mehr und sagt, das darf man nicht. Heute können sie alle geradeaus singen.

Es gab einen Plan der Stasi, Wolf Biermann durch einen DDR-konformen Sänger gleichen Typs zu ersetzen. Diese Idee wird nun im Lindenberg-Musical adoptiert. Würden Sie gern mal mit Wolf Biermann auftreten?

Lindenberg: Ja, da ist ja auch ein junges Talent. Am liebsten mit der ganzen Familie, auch mit Cosma und Eva Maria. Mit Nina Hagen habe ich schon viele Songs gemacht. Ich bin ja Abenteurer und weiß nie genau, was in der Zukunft so passieren wird.

Quelle: Märkische Allgemeine, 14.01.11